Südstadtfassaden

Auf den Spuren der Preußen in Bonn – Teil 2

Und weiter geht’s mit unserer Zeitreise. Anlässlich des Jubiläumsjahres „200 Jahre Preußen im Rheinland“ begeben wir uns auf Spurensuche. Nachdem wir uns bei Teil 1 unseres Rundgangs in der Innenstadt bewegt haben, gehen wir nun in Richtung Südstadt.

Wir starten aber erstmal am Hauptbahnhof. Im 19. Jahrhundert hatte die Bahn ihren Siegeszug (haha ;-) ) durch Deutschland. Immer mehr Städte wurden per Schiene verbunden und die preußischen Herrscher – in der Regel Fans dieser neuen Technik – setzten sich stark für den Ausbau des Eisenbahnnetzes ein. Auch Bonn sollte nicht zu kurz kommen! Erstmal stritt man sich aber nochmal ausgiebig über den Standort des Bahnhofs. Wie immer waren Rheinländer und Preußen nicht wirklich einer Meinung. Den heutigen Standort verdanken wir tatsächlich einem Preußen und zwar denm damaligen Finanzminister Carl von Bodelschwingh. Dieser schlichtete den Streit, indem er über alle Köpfe hinweg den Standort festlegte. So bekam Bonn 1844 eine Bahnverbindung nach Köln – erbaut und betrieben von der Bonn-Cölner Eisenbahn-Gesellschaft. Bis heute verbindet diese linke Rheinstrecke, auf der tagtäglich Rheinländer zwischen Wohnort und Arbeitsstätte pendeln, die beiden Rheinstädte. Immer mehr Verbindungen entstanden: zum Beispiel nach Süden, von der rechten Rheinseite oder in die Eifel, und so war bald ein größerer Bahnhof inklusive Empfangsgebäude vonnöten. Denn der ursprüngliche Bau war – typisch preußisch-spartanisch – klein gehalten worden. In den 1880er Jahren entstand dann das heutige Bahnhofsgebäude im Stil der Neo-Renaissance.

Bonner Innenstadt mit Hauptbahnhof und Bahnstrecke

Bonner Innenstadt mit Hauptbahnhof und Bahnstrecke

Wir bleiben beim Thema Bahn und gehen den schmalen Fußweg entlang von Gleis 1 in Richtung Süden bis zur Unterführung auf der Höhe des Kaiserplatzes. Hier blicken wir uns mal kurz um, denn die Gestaltung dieses Platzes geht auf Peter Joseph Lenné zurück. Von ihm haben wir im ersten Teil unseres Rundgangs schon mal etwas gehört. Wer ist also dieser Lenné? Er wurde 1798 als Sohn des kurfürstlichen Hofgärtners in Bonn geboren (auf sein Geburtshaus, das Gärtnerhaus am kurfürstlichen Schloss, weist heute eine Inschrift hin). Mit 18 Jahren ging er an den preußischen Hof und entwickelte sich dort zum führenden Gartenkünstler und Landschaftsarchitekten des deutschen Klassizismus. Dass Lenné diesen Platz in den 1850er Jahren gestaltete, war ein Befehl des preußischen Königs Friedrich-Wilhelm IV. und ging auf einen Streit (mal wieder) zwischen der Bonn-Cölner Eisenbahn-Gesellschaft und der Universität zurück.

Lenné's Bahnunterführung am Kaiserplatz

Lenné’s Bahnunterführung am Kaiserplatz

Die geplante Verlängerung der linken Rheinstrecke nach Koblenz zerschnitt nämlich die Poppelsdorfer Allee, die zum Universitätsgelände gehörte. Da sich beide Parteien nicht einigen konnten, musste der König schlichten. Letztendlich wurde die Strecke zunächst nur bis Rolandseck fertig gebaut, wo man dann auf ein Rheindampfschiff umstieg. Heute betrachten die Bonner sowohl den Standort des Bahnhofs als auch die südliche Rheinstrecke eher als faulen Kompromiss der damaligen preußischen Regierung, um die zänkischen Rheinländer zu beschwichtigen. Besonders wenn man in der Südstadt mal wieder vor verschlossenen Bahnschranken steht…

Südstadtfassade

Südstadtfassade

Wir gehen wieder zurück auf unseren Rundgang und durch die Unterführung zur besagten Poppelsdorfer Allee. Vor dem Günnewig Hotel Bristol biegen wir links in die Prinz-Albert-Straße ein. Nun befinden wir uns mitten in einem der größten erhaltenen Gründerzeit-Viertel Deutschlands. Was hat das nun mit den Preußen zu tun, fragt ihr euch? Nun ja, bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein war das Bonner Stadtgebiet noch in die mittelalterliche Stadtmauer eingepfercht. Die preußische Kommunalverwaltung hatte ziemlich schnell Ideen zur Stadterweiterung in der Tasche, aber es dauerte noch rund 40 Jahre bis der preußische König den Plan in einem offiziellen Akt abzeichnete. Somit war der Weg zur Erweiterung frei und es entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die heute noch erhaltenen Gründerzeit-Viertel in der von Bürgertum und Universität geprägten Bonner Südstadt. In diesen herrlichen Straßen kann man sich wunderbar treiben lassen – also unbedingt etwas Zeit zum Erkunden mitbringen!

Südstadtfassaden

Südstadtfassaden

Um wieder auf die Spuren der Preußen zu gelangen, durchqueren wir die Südstadt in Richtung Reuterstraße und schauen uns mal die Ermekeilkaserne an. Die Preußen haben ja nicht nur fleißig gebaut und erweitert, sie waren gerade in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ständig im Krieg. So wurde auch Bonn „militarisiert“. Die preußische Armee musste irgendwo untergebracht werden, also erbaute man in den frisch errichteten Wohnvierteln der Südstadt diese Kaserne. Die Gebäude im historistischen und wilhelminischen Stil bewohnten dann zwei Einheiten der preußischen Infanterie. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Bonn entmilitarisiert und die Gebäude der Stadt verkauft. Nach verschiedener Nutzung zog 1955 das Verteidigungsministerium der frisch gegründeten Bundesrepublik in die Ermekeilkaserne. Seit 2013 stehen die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude leer und auf dem Gelände haben sich verschiedene Projekte zur Zwischennutzung angesiedelt. Aktuell wird hier eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge aufgebaut, die ab September 300 Asylsuchenden Platz bieten soll.

An dieser Stelle beenden wir unseren “Geschichtsunterricht”. Erstaunlich, wo noch überall etwas vom alten Preußen zu finden ist. Wer an weiteren preußischen Spuren in der Region interessiert ist, der sollte unbedingt das Siebengebirgsmuseum in Königswinter besuchen! Neben der Sonderausstellung „Preußenadler über dem Rhein“ (noch bis zum 18. Oktober), bietet das Museum die Veranstaltungsreihe „Auf preußischen Spuren“ an.

 

FacebookTwitterXINGGoogle+Empfehlen

Ein Gedanke zu „Auf den Spuren der Preußen in Bonn – Teil 2

  1. Pingback: Bonner Linktipps am Samstag: Über Wirtschaft und Netzszene, Preußen und Rheinländer und Island | Bundesstadt.com

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Loading Facebook Comments ...