Universität Bonn

Auf den Spuren der Preußen in Bonn – Teil 1

Heute erleben wir Geschichts-Unterricht mal anders! Anlässlich des Jubiläumsjahres „200 Jahre Preußen im Rheinland“ begeben wir uns auf eine kleine Zeitreise und machen einen historischen Rundgang durch die Bonner Innenstadt.

Zunächst befinden wir uns im Jahr 1815. Halb Europa war zuvor 20 Jahre lang von den Franzosen besetzt worden. Nach den Niederlagen der Napoleonischen Truppen wurden die territorialen Gebiete in Europa auf dem Wiener Kongress neu geordnet und die Rheinlande fielen an die Preußen. Dies passte auf den ersten Blick so gar nicht! Das katholische, karnevalistische Rheinland sollte von den protestantischen, militärisch geprägten Preußen regiert werden? So sah also mancher Bonner eher mit Unmut zu, wie sie dann an den Rhein kamen – die Preußen mit ihren Tugenden und Pickelhauben – und einfach alles umkrempelten. In den 100 Jahren, die sie dann blieben, hat sich in Bonn so einiges verändert und dabei hinterließen sie so manche Spur, die man auch heute noch verfolgen kann.

Universität Bonn

Hauptgebäude Rheinische Friedrich-Wilhelm Universität Bonn

An der offensichtlichsten Spur starten wir unseren kleinen Rundgang: am Hauptgebäude der Bonner Universität. Diese trägt den Preußen nämlich schon im Namen: die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität. Sie wurde am 18. Oktober 1818 von ihrem Namensgeber König Friedrich Wilhelm III. von Preußen gegründet. Es gab bereits zuvor schon eine Universität in Bonn, diese wurde aber während der französischen Herrschaft geschlossen. Nach der Machtübernahme der Preußen wollte Friedrich-Wilhelm III. seiner „landesväterlichen Fürsorge“ nachkommen und der neugeschaffenen, preußischen Rheinprovinz eine akademische Ausbildungsstätte im Geiste Wilhelm von Humboldts schenken. Dabei setze sich Bonn sogar gegen die anderen ehemaligen Universitätsstandorte im Rheinland, Köln und Duisburg durch. Also wurden im früheren kurfürstlichen Residenzschloss sowie dem Poppelsdorfer Schloss fünf Fakultäten eingerichtet, darunter gleichberechtigt eine katholische und eine evangelische Theologische Fakultät. Dies war für den Bonner etwas vollkommen neues, war man doch bis vor 24 Jahren noch vom (katholischen) Kölner Erzbischof regiert worden. Große akademische Namen, wie August Wilhelm von Schlegel, Ernst Moritz Arndt, Barthold Georg Niebuhr und Friedrich Argelander, wurden nach Bonn berufen, die Universität wuchs und wuchs. Schon bald wurde Bonn zu einem der wichtigsten Universitätsstandorte Deutschlands.

Wenn wir nun über die Hofgarten-Wiese in Richtung Süden schauen, erblicken wir das älteste Museum der Stadt, das Akademische Kunstmuseum. Von Beginn der preußischen Herrschaft an war neben der Universität ein Kunstmuseum geplant, das Abgüsse antiker Skulpturen ausstellen sollte. Sammlungen solcher Art gab es zwar in den Beständen anderer Universitäten und Kunstakademien zu Lehrzwecken, diese waren jedoch nicht öffentlich zugänglich. Dies war in Bonn ab 1819 in dieser musealen Art erstmals der Fall. 1872 zog das Museum in das klassizistische Gebäude der Alten Anatomie, das so schön prominent am südlichen Ende des Hofgartens steht. Wart ihr schon mal drin? Schaut es euch an, es ist immer Besuch wert!

Akademisches Kunstmuseum

Akademisches Kunstmuseum

Nach unserem Museums-Besuch verlassen wir den Hofgarten in Richtung Kaiserplatz und gehen zur Kreuzkirche. An dieser Stelle durfte sich im bisher erzbischöflichen und katholisch regierten Bonn 1816 unter den Preußen die erste evangelische Gemeinde gründen. Ein Jahr später überließ Friedrich-Wilhelm III. der Gemeinde die Schlosskapelle der ehemaligen Kurfürstlichen Residenz. Da diese der wachsenden Gemeinde nicht mehr ausreichte, wurde 1866 der Grundstein für die evangelische Kirche am Kaiserplatz gelegt. Nach der Zerstörung bei Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg wurde diese als die heutige Kreuzkirche neu aufgebaut.

Nun gehen wir die Straße „Am Neutor“ entlang, überqueren den Martinsplatz und machen Halt am Münsterplatz. Wusstet ihr eigentlich, dass es eine Kopie des Bonner Münsters in Berlin gibt?

Bonner Münster

Bonner Münster

Es ist sogar eine der bekanntesten Kirchenbauten in Berlin – auch wenn es eher traurige Bekanntheit ist. Die Rede ist von der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, die wir heute nur noch als Ruine kennen. Sie wurde Ende des 19. Jahrhundert auf Anregung von Kaiser Wilhelm II. gebaut. Wie jeder preußische Kronprinz zu dieser Zeit hatte auch Wilhelm II. in Bonn studiert und großen Gefallen an den romanischen Kirchen des Rheinlandes gefunden. So ließ er sich von dem aus Köln stammenden Architekten Franz Schwechten eine neoromanische Kirche bauen, bei der nicht nur Form und Anzahl der Türme sowie viele Details der Fassade vom Bonner Münster übernommen wurden. Auch die Baumaterialien ließ er sich aus dem Rheinland bzw. aus der Eifel liefern.

Wenn wir nun unseren Blick nach Nordwesten richten, erblicken wir das Beethoven-Denkmal vor dem ehemaligen Hauptpostamt bzw. Fürstenberg-Palais. Das Denkmal wurde 1845 im Rahmen des ersten Beethovenfestes feierlich enthüllt. Dabei waren natürlich das preußische Königspaar Friedrich-Wilhelm IV. und Elisabeth Ludovika sowie die britische Königin Victoria anwesend, die den Feierlichkeiten auf dem Balkon des damaligen Fürstenberg-Palais beiwohnten. Bis heute erzählen sich die Bonner das „Verzällcher“, wie sich die durchlauchten Gäste damals darüber aufregten, dass das Denkmal ja mit dem Rücken zu ihnen aufgebaut worden war. Unverschämtheit!

Beethoven-Denkmal

Beethoven-Denkmal

Man entdeckt in Bonn und der Region immer wieder Spuren aus der preußischen Zeit. Es lohnt sich beispielsweise auch ein Besuch auf dem Alten Friedhof. Dieser wurde zu preußischer Zeit parkähnlich umgestaltet, woran der in Bonn geborene Gartenkünstler und Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné maßgeblich beteiligt war. Über ihn hören wir noch einiges mehr im zweiten Teil unseres Rundgangs, der uns in die Südstadt führt und in Kürze hier im Blog erscheinen wird.

Also, Fortsetzung folgt… :-)

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