Luft-Hotel-Petersberg-2013-02

Die politischen Spuren auf dem Petersberg

Ein faszinierender Einblick in die Geschichte

Heute war ich an einem ganz besonders interessanten Ort. Gemeinsam mit Kollegen haben wir eine Führung durch das ehemalige Gästehaus des Bundes, dem heutigen Steigenberger Grandhotel Petersberg, gemacht. Bereits die Fahrt mit dem Auto von Königswinter hoch auf den rund 320 Meter hohen Petersberg war ein kleines Erlebnis, die Serpentinen mahnen einen zum langsam fahren, will man sein Auto doch nicht schrotten, wie es einst Breschnew mit seinem, von der Bundesregierung geschenkten Mercedes Coupè, getan hat. Übrigens ist er runter gefahren und hat das Auto gleich in der ersten Kurve versenkt.

Als Gästehaus des Bundes gehörte es sich so, dass nach jedem der damals zehn Bundesländer eine Suite benannt wurde, die das jeweilige Land entsprechend einrichten und ausstatten durfte. So wurde es bei der Sanierung Ende der 1980er Jahre auch berücksichtigt. Kurz vor Fertigstellung der Umbaumaßnahmen kam der Mauerfall und plötzlich fehlten weitere sechs Suiten, da es nun 16 Bundesländer gab. Der damalige Architekt war erfinderisch und hat kurzerhand die Säle im Hotel in die Hände der Bundesländer gegeben. So kann man beispielsweise in Thüringen vor dem altehrwürdigen Kamin verweilen oder in Sachsen die fantastische Aussicht über das Rheintal genießen.

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Weiter bei dem Rundgang warten wir schon gespannt auf den Teppich, den Adenauer zum Antrittsbesuch bei den alliierten hohen Kommissaren zur Unterzeichnung des Besatzungsstatus, unerlaubter Weise betreten hat. Er war nur den Kommissaren vorbehalten, Adenauer sollte auf keinen Fall mit darauf, wollte man doch das Machtgefüge verdeutlichen. Und genaugenommen ist es dieser Schritt von ihm, wie Adenauer sagt: Der Schritt in die Freiheit, der dieses Treffen in die Geschichte eingehen ließ. Dann kam die nüchterne Aussage: Dieser Teppich ist nicht mehr original. Aber macht nichts, ist doch die Atmosphäre im alabasternen Marmorsaal auch trotzdem beeindruckend.

Jetzt geht es weiter zur Präsidentensuite, heute die Suite Berlin. Nach den ursprünglichen Plänen sollte dies die NRW Suite sein, jedoch nach dem Mauerfall wurde schnell mit Berlin getauscht, war doch diese damals die kleinste Suite von allen. Als neue Bundeshauptstadt also ein “no go”. Dort angekommen erfahren wir, dass es im Keller ein komplettes Chemielabor gab, dass zu Staatsempfängen das Essen vor dem Verzehr zuerst testete, um in jedem Fall auf Nummer sicher zu gehen. Sehr interessant, auch einen Bunker gibt es in diesem Teil des ehrwürdigen Hauses noch, doch wenn man dort einen Blick reinwirft, wird man enttäuscht sein. Wer in diesem eher kleinen Raum wohl im Ernstfall Platz finden sollte? Aber nun zurück in die Präsidentensuite. Neben kugelsicheren Fenstern und Türen gibt es noch heute einen Notrufknopf, der direkt die Polizeistation in Königswinter alarmiert (wir haben uns nicht getraut es auszuprobieren). Zwei eher unscheinbare Schlafzimmer findet man dort auch, eines offensichtlich verspielter als das andere. Das hat einen trivialen Grund, wurde uns versichert. Es gab ein Herren- und ein Damenschlafzimmer, das Präsidentenehepaar pflegte also getrennt zu nächtigen. Was wohl der Termindichte der Präsidenten geschuldet war. Tatsächlich ist das Damenzimmer schon farblich wie auch von der Größe des Kleiderschrankes deutlich vom Herrenschlafzimmer zu unterscheiden, wer hätte das gedacht. Doch State of the Art sind beide heute wohl heute nicht mehr.

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Grundsätzlich stellen wir jetzt fest, dass das große Haus eigentlich aus zwei Teilen besteht. Einer der für Staatsgäste und deren Anforderungen hinsichtlich Sicherheit und Komfort hergerichtet ist und einem weiteren Flügel, der früher für Berater, Staatssekretäre und Sicherheitspersonal vorgehalten wurde. Heute werden beide Bereiche im Hotelbetrieb vermietet. Man erkennt den Unterschied aber noch sehr genau. Sind doch Deckenhöhen, Raumausstattung und Raumgröße deutlich verschieden und abgestuft.

Weiter gehen wir durch die Rotunde, einem relativen „Neubau“, der heute den Hotelbetrieb mit der Gastronomie im Haus verbindet, früher ging man tatsächlich noch von außen um das Haus herum in das Restaurant. Das war auch aus Sicherheitsgründen durchaus so gewollt. Heute ist die Rotunde eine beliebte Veranstaltungsstätte und damit alles dort unter einem guten Stern geschieht, ist ein raumfüllender auf dem Boden eingearbeitet. Um im langen Abendkleid die Rotunde würdig betreten zu können, wurde seiner Zeit eine Schreittreppe mit extra langen und niedrigen Stufen eingebaut. Auch wir, mit Jeans und sportlichen Schuhen unterwegs, kommen um das Schreiten nicht herum. Unten angekommen stehen wir sogleich vor dem Ende des Defilests, dem Bereich, in dem der Bundespräsident mitunter Stunden verbracht hat und nach und nach seine Gäste persönlich begrüßt hat. Je nach Veranstaltungsgröße hatte jeder Gast rund 30 Sekunden private Redezeit mit dem Präsidenten, da lohnt doch glatt ein Spickzettel, damit man in der Kürze alle Themen platzieren kann.

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Für die Presse hatte man damals schon viel Platz vorgesehen. Es waren sogar Kameras und Tonbereiche vorhanden. Damit das Pressevolk sich nicht etwa mit den Gästen mischte, gab es einen eigenen Eingang, heute würde ich sagen es ist ein Hinterausgang. Aber gut. In jedem Fall war auch dort, rund um den Präsidenten im Defilet und vor allem im benachbarten Ruheraum, denn nach stundenlangem Händeschütteln muss man auch als Präsident verschnaufen, alles abhörsicher ausgerüstet.

Ich könnte noch immer weiter schreiben, aber das würde den Blogbericht sprengen. Darum kann ich euch nur empfehlen, diese interessante Führung einmal selber mitzumachen. Infos dazu findet ihr bei Bonntouren.

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Ein Gedanke zu „Die politischen Spuren auf dem Petersberg

  1. Hosting

    Gastehaus Petersberg jeweils im Herbst auf dem Petersberg unter dem Titel „Petersberger Perspektiven“ ein Symposium durch. In dieser jahrlich im Herbst stattfindenden Veranstaltungsreihe werden historisch-politische Themen mit Gegenwartsbezug und Zukunftsperspektiven behandelt, die bedeutende Wegmarken der Geschichte aus den Anfangszeiten der von Bonn aus gesteuerten Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland in aktuellem Kontext behandeln.

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