Neuhängung Kunstmuseum Bonn

“Große Geister” hängen nun im Kunstmuseum Bonn

Alle zwei Jahre wird im Kunstmuseum Bonn die Sammlung neu gehängt. Bei einem Archiv voller hochwertiger Werke stellte sich uns die Frage, nach welchen Kriterien Museumsleitung und Kuratoren vorgehen und welche neuen Highlights wir erwarten dürfen. Um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen haben wir uns daher mit dem stellvertretenden Museumsdirektor, Herrn Dr. Christoph Schreier, getroffen und über die am 29.06.2014 eröffnende Ausstellung gesprochen.

Sehr geehrter Herr Dr. Schreier, zunächst vielen Dank für Ihre Zeit! Wir möchten heute gerne von Ihnen einen Eindruck in die Organisation und Vorbereitung, sowie natürlich auch die Konzeption der Neuhängung der Sammlung des Kunstmuseums erhalten. Zunächst einmal haben wir uns gefragt, wie viel Zeit nimmt eine solche Neuhängung eigentlich in Anspruch?

Tja, wann haben wir angefangen? Letztlich haben wir vor 1 ½ Jahren begonnen, über diese Neuhängung nachzudenken. Also kurz nach der Einweihung der letzten Sammlungspräsentation. Schon damals haben wir überlegt, wie kann es weitergehen, was wäre jetzt das neue Gewand, das wir uns anziehen?

Wir bauen jetzt seit Mitte Mai um. Es sind ja eine Menge Räume dort oben und nächsten Sonntag muss alles fertig sein; na ja eigentlich nächsten Freitag, da ist die Pressekonferenz. Das wird noch ein Haufen Arbeit!

In welchen Abständen halten Sie Neuhängungen für sinnvoll?

Unsere Ambition ist es, alle zwei Jahre eine Neuhängung zu präsentieren. Das haben wir bislang auch immer geschafft. Einfach aus der Überlegung heraus, dass das, was man in einer Schausammlung sieht, immer nur ein Bruchteil des Gesamtbestandes ist. Wir haben ja ungefähr 7.500 Werke, da kann man sich vorstellen, dass immer nur ein gewisser Teil gezeigt werden kann. Insofern haben wir uns darauf geeinigt, dass wir in einem rotierenden Verfahren alle zwei Jahre die Sammlung neu definieren.

Haben sich diese Abstände in den letzten Jahren eher verkürzt?

Ja, früher hingen die Werke länger! Man wird aber zukünftig wieder zu einem dreijährigen Rhythmus kommen, weil es natürlich immer ein Riesenaufwand ist, den wir betreiben. Zudem ist ein Großteil des Hauses geschlossen, was auch nicht gut ist. Denn zu den großen Vorteilen der Institution Museum, auch gegenüber anderen Kultureinrichtungen!, zählt ja, dass man Museen zwischen 11:00 und 18:00 Uhr besuchen kann und nicht nur am Abend . Diese Offenheit, der soziale Aspekt auch, der da mitschwingt, das ist ganz wichtig für ein Museum.

Herr Dr. Schreier, was stand bei der Neuhängung der Sammlung stärker im Vordergrund? Neue Bilder zu zeigen oder vorhandene Werke in einem anderen Zusammenhang zu präsentieren?

Es gibt natürlich Künstler, die wird man immer bei uns wiedertreffen! Das ist z.B. August Macke, der wird immer wieder auftauchen. Dann kommt natürlich Joseph Beuys dazu, auch eine Schlüsselfigur der Kunstgeschichte, Sigmar Polke, Blinky Palermo, das sind eigentlich die Trumpfkarten, die wir immer wieder ausspielen. Aber dann gibt es natürlich auch neue Akzentsetzungen, Verschiebungen, neue Konstellationen, um einfach das Museum attraktiv zu halten. Der ständig erneuerte Dialog zwischen den Werken ist immens wichtig.

Zudem wird man auch mit dem Kunstwerk, das man vermeintlich kennt,  auch nie fertig. Das ist ja ein zentrales Kriterium von Kunst, dass es mir als Besucher, je nach eigener Befindlichkeit und Stimmungslage, unterschiedlich begegnet.  Insofern wird man mit einem qualitätsvollen Werk auch nie ‚fertig‘ werden. Wenn man z.B. Rembrandts Altersporträts begegnet, dann wird man dieses mit 25 Jahren anders wahrnehmen als mit 50 oder 70 Jahren. Weil da ja auch die eigene Lebenserfahrung und das Bewusstsein über die eigene Vergänglichkeit in die Begegnung mit dem Werk einfließt. Und dann wird man auch den alten Mann, der einem da entgegen schaut, anders wahrnehmen und auch die Energien, die das Bild ausstrahlt, anders bewerten.

Dienen Ihnen diese neuen Ausstellungsstücke auch dazu, neues Publikum anzulocken?

Ja, denn es ist immer gut die Neugierde anzustacheln, dass ist klar. Andererseits ist aber auch eine gewisse Konstanz schön. Aber man bringt ja auch ein bekanntes Werk immer wieder neu zum Leuchten, in dem man es in neuen Konstellationen zeigt. Jedes Werk lädt sich durch seine Nachbarschaften neu auf und zeigt eine Kraft, die man so vorher nicht gekannt hat. Das ist der eine Aspekt, aber die eigene Sammlung wächst natürlich auch durch Ankäufe und es gibt Entdeckungen wie z.B. vier frühe Baselitz-Bilder aus Bonner Privatbesitz, die lange unbekannt an einer Bonn Wohnzimmerwand hingen.

Wie stoßen Sie auf diese neuen Objekte? Werden in der Regel eher Sie als Museum kontaktiert oder finden Sie diese neuen Ausstellungsstücke?

Na ja, Privatsammlungen zum Beispiel findet man ja nicht in Datenbanken. Man Könnte als Außenstehender vielleicht denken, man müsste die Sammlerszene kennen, aber das ein älteres Ehepaar, mit dem man nicht bekannt ist, gleich vier Baselitz Werke an der Wand hängen hat, hat auch uns überrascht. Selbst der Künstler wusste nicht, wo diese Werke damals gelandet sind. Insofern gibt es auch in Bonn noch manchen unentdeckten Schatz!

Die neue Ausstellung präsentiert sich unter dem Namen „Große Geister“. Worauf bezieht sich der Titel?

Das sind zwei Skulpturen  –  die „Großen Geister“ aus Aluminium – von Thomas Schütte, die wir nun erstmals in Bonn zeigen. Thomas Schütte ist einer der wichtigen deutschen Gegenwartskünstler, der mittlerweile auch international bekannt ist. Diese zwei Skulpturen haben wir nun geliehen von einem befreundeten Museum, dem  De Pont Museum Tilburg in Holland. Im Gegenzug hat das Museum aus unserem Bestand das 18-teilige Werk „Straßenbild“ von Baselitz erhalten. Das war also ein kleines Leihgeschäft über die Grenze hinweg.

Verraten Sie uns ein Ausstellungsobjekt, das es Ihnen ganz persönlich angetan hat?

Ein Lieblingsstück kann ich nur schwer definieren. Sehr gut gefällt mir die Rauminstallation von Stephan Huber, in der er, im Miniaturformat, gleich vier alpine Gipfel versammelt. Diese Neuinterpretation eines ganz und gar romantischen Topos‘ beeindruckt mich sehr.

Sehr geehrter Herr Dr. Schreier, wir danken Ihnen für Ihre Zeit und wünschen Ihnen viel Erfolg mit der Neuhängung!

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Ein Gedanke zu „“Große Geister” hängen nun im Kunstmuseum Bonn

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