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Einladung zur Zeitreise

Ein Besuch im Haus der Geschichte in Bonn

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Heute geht’s für uns nach Bonn. Wir sind mit einem ganzen Familientrupp unterwegs: drei Familien mit Kindern zwischen 7 und 15 Jahren, von denen nicht alle „Hurra“ gerufen haben, als es hieß, wir machen einen Ausflug ins Museum. Das Haus der Geschichte ist allerdings ein etwas anderes Museum, und nach unserem Tag dort kann ich sagen: Ein Besuch ist auch für den Nachwuchs kurzweilig und interessant und lässt Geschichte lebendig werden.

Entstanden ist das Haus der Geschichte auf Initiative des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl. Und im Jahr 1994, mehr als zehn Jahre nach seinen ersten Absichtserklärungen, eine Sammlung zur Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und zur Teilung Deutschlands aufbauen zu wollen, war es dann so weit: Das Museum konnte von Helmut Kohl selbst eingeweiht werden. Das Haus der Geschichte reiht sich in die sogenannte »Museumsmeile« in Bonn ein und ist das einzige, das seine Besucher bei freiem Eintritt einlädt. Wirklich toll, um das Museum immer mal wieder zu besuchen. Denn neben der Dauerausstellung, die für sich schon so viel zu bieten hat, dass ein einziger Besuch gar nicht reicht, gibt’s ja auch noch die wechselnden Sonderschauen. Zu den jüngeren, die sehr viel Aufmerksamkeit in den Medien hatten, gehörten zum Beispiel die Ausstellung rund um eine der »heiligen Kühe« in Deutschland, das Auto, unter dem Titel »Geliebt. Gebraucht. Gehasst.« oder die Ausstellung »Inszeniert. Deutsche Geschichte im Spielfilm«. Bei unserem Besuch im Museum ist gerade die neue Sonderausstellung mit dem Titel »Deutsche Mythen seit dem Jahr 1945« angelaufen. Sie beleuchtet Mythen und Geschichten, die sich seit der Gründung der Bundesrepublik und der DDR gebildet haben und verbreiten konnten. Das hört sich interessant an, aber ich befürchte, dass wir schon mit dem Besuch der Dauerausstellung eine ganze Weile beschäftigt sein werden. Macht aber nichts, wir kommen gerne wieder.

 

Jetzt starten wir erst mal mit unserem persönlichen Rundgang und tauchen in die unmittelbare Nachkriegsgeschichte Deutschlands ein. Bedrückend und beeindruckend. Im Halbdunkel, empfangen von einem Jeep der US Army, sind es vor allem die vielen Originalobjekte, die uns in den Bann ziehen. Unsere große Gruppe hat sich schon jetzt aufgelöst. Während die älteren Kids froh sind, ohne »schwierige« Eltern das Museum auf eigene Faust zu erkunden, machen wir gemeinsam mit den Jüngeren die Familientour, zu der das Haus der Geschichte einen Flyer mit Kartenset entwickelt hat, den man am Infoschalter im Museum bekommt oder sich auch schon im Vorfeld downloaden kann.

Für Grundschulkinder wird der Gang durchs Museum so zu einer spannenden Spurensuche, die gleichzeitig den zeitlichen Horizont ihres eigenen Lebens und das der Eltern und Großeltern in Beziehung zu den geschichtlichen Ereignissen setzt. Auf einem Zeitstrahl können die Kinder selbst für sie wichtige Daten eintragen und erkennen: Bei Opas Geburt war in Deutschland noch Krieg, das erste Auto von Papa war ein VW Käfer, und als Mama auf die Welt kam, gab es noch zwei Deutschlands.

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Der Besuch ist so kurzweilig, dass die Kinder gar nicht merken, dass sie in einem Museum sind (ein Vorschlag zu einem Museumsbesuch löste bei ihnen bisher spontan erst mal Gegenwehr aus), und wir kaum merken, wie die Zeit verfliegt. Das liegt vor allem auch an den vielen Dingen zum Mitmachen und den zahlreichen originalgetreu inszenierten Szenen und Objekten.

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Zum Beispiel dem Platznehmen auf der originalen Bestuhlung des ersten Deutschen Bundestags. Dazu kann man sich Ausschnitte aus ausgewählten Debatten der damaligen Zeit anhören (inklusive Zwischenrufen!) und dann selbst, sozusagen als Kurzzeitparlamentarier, an Abstimmungen teilnehmen. Unser Weg führt uns an einer Eisdiele und einem Kaufhausschaufenster der 50er Jahre vorbei, an einem stilechten Flower-Power-VW-Bulli, auf einer Rampe kommen wir der Mondlandung und Astronautenanzügen näher, und der Mauerfall und die Wiedervereinigung Deutschlands werden mit einem originalen Stück der Berliner Mauer viel greif- und vorstellbarer.

Das Ende der Dauerausstellung ist überarbeitet worden und erst im November des letzten Jahres vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier eingeweiht worden. Mit einigen neuen Leitobjekten, wie das Museum sie selber nennt, geht die Zeitreise bis in die unmittelbare Gegenwart. Ob das ein verschmorter Stahlträger des World Trade Center aus New York ist, der an den Terroranschlag des 11. September 2001 erinnert, oder ein Flüchtlingsboot und originale Schwimmwesten, mit denen sich Schutzsuchende auf den gefährlichen Weg über das Mittelmeer gemacht haben und die die Flüchtlingskrise der letzten Jahre nicht nur veranschaulichen, sondern auch mit allen Sinnen erlebbar machen.

Und jetzt treffen wir den Rest unserer Gruppe doch tatsächlich schon vor dem Café wieder. Wie es sich für technikaffine und mit ihren Handys symbiotisch verbundene Teenager gehört, lassen sie sich gerade vom Serviceroboter »Eva« Hintergrundinfos zu einigen Ausstellungsstücken geben. Wieso sie da besser zuhören können als bei analogen Eltern? Eine Frage, der ich lieber nach überstandener Pubertät nachgehen werde.

Der Besuch hat Geschichte lebendig werden lassen und dank der vielen authentischen Exponate und beeindruckenden neuen Objekte und Stationen auch emotional erfahrbar gemacht. Für uns gab es viel Wissenswertes zu entdecken und eine Menge neuer Denkanstöße. Denn was auf jeden Fall klar ist: Es gibt keine einfachen Lösungen. Alles hängt zusammen. Deutsche Geschichte ist immer auch europäische Geschichte und zunehmend auch immer mehr Weltgeschichte. Und um eine abgedroschene Redewendung zu bemühen: Wenn in China ein Sack Reis umfällt, interessiert es eben doch auch die andere Seite der Welt. Wirklich kein Wunder, dass das Haus der Geschichte zu den beliebtesten und meistbesuchten Museen in Deutschland gehört. Ich möchte auch wiederkommen. Die Teenies frage ich besser später J

 

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