Ärger im Paradies

Ärger im Paradies

Kunst zum Anfassen in der Bundeskunsthalle

Seit Freitag, 24.04.2015 werden in der Bundeskunsthalle mitunter ungewöhnliche Orte bespielt. Wenn die neue Ausstellung für zeitgenössische Kunst „Ärger im Paradies“ ihre Pforten öffnet, werden freie Flächen zum Ausstellungsraum: Exponate finden sich auf dem Vorplatz, im Foyer, im Innenhof und auf dem Dach. Einige Künstler haben Werke speziell für ihre Ausstellungsflächen kreiert.

Im Verlaufe des Sommers wird die Ausstellung wachsen und sich verändern: Die zwanzig Zypressen von Maria Loboda auf dem Vorplatz werden jede Woche in eine andere Position gebracht, Petrit Halilajs Bohnenskulptur auf dem Dach wird den Sommer über weiter wachsen. Und die Ausstellung lebt: Zum einen sind zwei Kanarienvögel teil eines Exponats, zum anderen lebt die Ausstellung davon, dass der Besucher selbst teil der Exponate wird: Sich auf Strohballen aus Trinkhalmen setzen, eine Runde Trümmerminigolf spielen oder eine zur Wohnung umgebaute Bushaltestelle besichtigen, alles möglich bei „Ärger im Paradies.“ Imaginative, partizipatorische Orte also, die den Besucher zum Nachdenken auffordern.

Bei vielen Kunstwerken spielt zudem der politische Aspekt eine Rolle: Christian Philipp Müller veranschaulicht in seinem Werk Observatorium, 2015 die Anzahl der Asylanträge, die Flüchtlinge 2014 in Deutschland gestellt haben. In zehn Stufen führt eine Treppe im Stile indischer Sternwarten des 18. Jahrhunderts in die Höhe. Jede Stufe ist mit einer anderen Pflanzenart bepflanzt, die charakteristisch für das jeweilige Herkunftsland der Flüchtlinge stehen.

Auf dem Dach befindet sich ein Kunstwerk aus fast fünfzig verbrannten Bäumen: stille Zeitzeugen des Krieges, die der Georgier Vajiko Chachkhiani aus seinem Heimatland herbrachte.

Nicht zuletzt ist es der Titel, der ganz elementare Fragen aufwirft. „Ärger im Paradies.“ Was ist eigentlich dieses Paradies? Ist für manche Menschen, siehe das Exponat über die Asylanträge, die BRD das Paradies? Und was bedeutet überhaupt schön?

Die Ausstellung schafft dabei bewusst eine Ambivalenz des Schönheits-Begriffes. Exemplarisch ein Werk von Maria Loboda, dass die Besucher im Foyer willkommen heißt: Ein Blumenstrauß, der Schönheit suggeriert. Doch beim genauen Betrachten stellt der geneigte Besucher fest, dass jede Pflanze negativ konnotiert ist und ein Synonym für Krieg, Gefahr, Eifersucht usw. ist.

„Ärger im Paradies“ ist eine Ausstellung zum anfassen und partizipieren, zum beobachten und diskutieren, die sich bewusst mit der Gegensätzlichkeit von Kunst und Natur befasst. Eine Ausstellung, die sich verändert und somit auch bei einem wiederholten Besuch wieder neue Antworten gibt aber auch neue Fragen aufwirft.

 

„Ärger im Paradies“

24. April – 11. Oktober 2015 in und auf der Bundeskunsthalle

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