WSP 5 auf dem Rhein

Rhein in Flammen® hinter den Kulissen: die Wasserschutzpolizei – Konvoi-Schafhirt mit Hamster unter der Brücke

Rhein in Flammen®, das Traditionsevent mit Erlebnischarakter ist mehr als nur Schiffe und Feuerwerk. Ein ziemlich großer Aufwand und viele einzelne Akteure stecken dahinter. Um euch das – quasi „hinter den Kulissen“ – zu zeigen, haben wir mal einige dieser Beteiligten besucht und für euch ausgefragt. Heute steht uns Martin Blanck, Polizeioberkommissar bei der Wasserschutzpolizeiwache Bonn, Rede und Antwort zum Einsatz an Rhein in Flammen® – ein sehr informatives Gespräch!

BonnRegion: Rhein in Flammen beginnt ja auch bei Ihnen nicht erst am Veranstaltungstag. Was muss alles vorbereitet werden und wie lange ist die Vorbereitungszeit?

Martin Blanck: Die Vorbereitungszeit für den wasserschutzpolizeilichen Teil des Einsatzes „Rhein in Flammen®“ beginnt Ende Februar/Anfang März mit der Aktualisierung der Einsatzunterlagen durch Abgleich mit den bis dato vorliegenden Informationen. Die Vorbereitung findet ihren Ausdruck 1. in einem gut gefüllten DIN-A4 Ordner, darin sind alle Unterlagen wie Handy-Rufnummern, Funk-Kanäle, Kommunikationspläne, Vorbefehl und Einsatzbefehl für alle Polizeikräfte, Start und Zielaufstellung des Konvois, Pläne für Rettungssteiger (Anleger), Teilnehmer/Schiffslisten, div. Genehmigungen und und und ….. und 2. ihren Abschluss am Tag vor dem Einsatz. Jeder Bootsführer bekommt eine auf seinen Einsatzbereich zugeschnittene Zusammenstellung der wichtigsten Unterlagen. Gut, dass ich jedes Jahr einen großen Teil der Unterlagen nach Aktualisierung übernehmen kann – es bleibt auch so noch genug zu tun.

BR: Wie viele Personen (und Boote) sind bei der Wasserschutzpolizei an dem Tag im Einsatz?

MB: Bei „Rhein in Flammen®“ der letzten Jahre waren jeweils 10 Polizeiboote der Wasserschutzpolizei (WSP) im Einsatz, 2 Feuerlöschboote, 1 Feuerwehrfähre,        1 Hilfsschlepper und 2 Fahrzeuge des WSA (Wasser- und Schifffahrtsamt) und einige DLRG-Rettungsboote. Auf den Polizeibooten sind ca. 40 Beamte im Einsatz.

BR: Mit welchen Organisationen/Institutionen/Personen arbeiten Sie zusammen? Wie verläuft diese Zusammenarbeit? Gibt es da auch schon mal Schwierigkeiten oder geht alles Hand in Hand?

MB: Die Zusammenarbeit mit allen beteiligten Organisationen klappt hervorragend. Es sind neben dem Veranstalter T&C (das sind wir :), Anmerkung der Redaktion) die Feuerwehr der Stadt Bonn mit ihrem herausragenden Organisator Jürgen Eck, die Wasser- und Schifffahrtsämter Köln und Bingen sowie die Wasserschutzpolizei-Einsatzleitungen (EL) aus Andernach und Bonn, die in der Vorbereitungsphase intensiv und gewohnt effizient miteinander kommunizieren. Bei Treffen dieser Organisationen werden Neuigkeiten, Veränderungen und logistische Ansprüche besprochen und rechtzeitig organisiert. Man kennt sich schon viele Jahre lang aus diversen Einsatzanlässen und arbeitet in angenehmer Vertraulichkeit Hand in Hand. Schwierigkeiten=Fehlanzeige!

BR: Wie lange begleiten Sie schon die Veranstaltung? Kommt langsam Routine auf oder passiert immer wieder was Neues, gibt es Herausforderungen?

MB: 1986, beim ersten “Rhein in Flammen®“ hatte ich frei und habe die Veranstaltung von Land aus auf dem Fahrrad verfolgt. Danach habe ich keinen Einsatz verpasst, was bedeutet, dass dieses Jahr mein 29ster Einsatz „Rhein in Flammen®“ stattfindet. Die letzten 10 Jahre (ungefähr) bin ich im Bereich der Einsatzleitung / Befehlsstelle an Bord der „WSP 1“ (das ist ein etwas größeres Polizeiboot aus Duisburg, welches als Befehlsstelle für den Einsatz benutzt wird) eingesetzt, vorher habe ich die Einsätze von unserer „WSP 5“ (das ist das Bonner Boot) aus begleitet. Ja, Routine Gott sei Dank schon – aber keine Langeweile! Es ändern sich immer wieder ein paar Sachen, mal war ein neues Konzept kurz vor der Planungsreife – mal kommen neue Fahrzeuge zum Konvoi (wie z.B. sehr große Hotel- / Kreuzfahrtschiffe) – mal verschärft sich die öffentliche Sicherheitslage – die Planung muss auf alle Anforderungen abgestimmt werden. Eine Herausforderung ist z.B. die Presse -und Öffentlichkeitsarbeit, die neben allen anderen Sachen auch erledigt werden muss – natürlich machen wir das gerne!

BR: Was war das schönste/stressigste/unvergesslichste Rhein in Flammen in all den Jahren und warum?

MB: Die ersten Einsätze bei Rhein in Flammen® waren für mich die schönsten, da die riesigen Feuerwerke damals noch nicht alltäglich waren und jedes Jahr andere Ideen verwirklicht wurden. Später wurden dann die Feuerwerke eher zu Gewohnheit, aber immer noch gerne gesehen. Stress ist eigentlich nicht mein Ding – daher kann ich dazu nicht viel sagen – aber die ersten Einsätze in dem Bereich der Einsatzleitung/Befehlsstelle waren schon anstrengend, das merkt man erst nachher bei Einsatzende, wenn das Adrenalin den Körper verlässt. So richtig aufregende Einsätze hatten wir auch nicht zu vermelden, mal waren Passagiere auf teilnehmenden Fahrgastschiffen mit gesundheitlichen Problemen notärztlich zu versorgen, einmal kam es zu einem kleinen Rempler in der Schlussaufstellung zwischen zwei Schiffen, mal musste eine treibende Fahrwassertonne (Boje) aus dem Bereich des Konvois geborgen werden und einmal musste ein Fahrgastschiff aus dem Konvoi genommen und evakuiert werden, da über eine Bugklappe Wasser ins Schiff gelaufen war – alles konnte schnell und ohne Probleme abgearbeitet und alle Gefahren beseitigt werden. Dass über all die Jahre nicht viel Medienwirksames zu berichten war, könnte ein Indikator für eine gut geplante und durchgeführte Veranstaltung sein!?

Rhein in Flammen

Rhein in Flammen

BR: Wie erlebt man die Veranstaltung aus Sicht der WSP während alle Schiffsgäste Spaß haben und die Feuerwerke rechts und links bewundern? Was passiert während der Fahrt (unmittelbar davor, danach) und was sind die konkreten To Dos?

MB: Ich werde mal versuchen den Einsatztag chronologisch zu schildern:

Mittags zwischen 12:00 und 15:00 werden die Unterlagen auf den letzten Stand gebracht, mögliche Änderungen eingearbeitet. Logistische Dinge wie das Bunkern (Betanken) von Polizeibooten, die einen längeren Anfahrtsweg hatten, werden abgearbeitet, die Einsatzbesprechung auf der Wache muss vorbereitet werden. (Technik/Bestuhlung etc.).

Um 16:30 findet die Einsatzbesprechung mit allen Polizeibootführern, den Bootsführern der Feuerlöschboote, Vertretern des DLRG und den Einsatzleitern statt. Hier werden den Beteiligten Unterlagen ausgehändigt und in einer Präsentation Einzelheiten zum Ablauf der Veranstaltung mitgeteilt. Anschließend fahren die Boote in den Einsatzbereich, die Einsatzleitung / Befehlsstelle bezieht Ihre Position auf der „WSP 1“.

Um17:00 sperrt das WSA in Zusammenarbeit mit einem Polizeiboot die Bergfahrt. Die letzten Fahrzeuge, die vor der Sperre die Kennedy-Brücke zu Berg (heißt gegen die Strömung) passiert haben, werden uns (der Befehlsstelle) namentlich mitgeteilt, damit wir später überprüfen können, ob der Veranstaltungsraum frei von der „normalen“ Schifffahrt ist. Die „WSP 1“ tritt nun auch die Fahrt Richtung Linz an, an Bord befinden sich neben den beiden Einsatzleitern (1 EL RPL + 1 EL NRW) 2 Beamte der Befehlsstelle, 3 Besatzungsmitglieder, ein Funktechniker, 1 Verbindungsbeamter zur Feuerwehr-Einsatzleitung und Vertreter(innen) des Veranstalters. Während der Bergfahrt Richtung Linz werden uns über Funk/Telefon Daten von den am Konvoi beteiligten Schiffen durchgegeben. Wir möchten von den Schiffsführern wissen, wie viele Fahrgäste und Personal an Bord sind und ob die vorab angegebene telefonische Erreichbarkeit noch aktuell ist. Diese ermittelten Daten sind hilfreich und notwendig, um im Einsatzfall zügig passende Maßnahmen einzuleiten / durchzuführen und um jederzeit nicht nur über Funk mit dem zuständigen Schiffsführer Kontakt aufnehmen zu können. In Linz angekommen, verschaffen wir uns eine Übersicht über die im Aufstellungsraum eingetroffenen Konvoi-Teilnehmer, zwischenzeitlich wurde uns von dem zur Sperre der Talfahrt eingesetzten Polizeiboot die Durchsetzung der Sperre um 20:00 mitgeteilt und auch die Namen der letzten Fahrzeuge der Talfahrt. Das zu diesem Zwecke eingesetzte Polizeiboot „WSP 5“ überprüft in dem gesamten Zeitraum bis zum Start den Einsatzraum zwischen Linz und Bonn, ob dieser freigehalten wurde.

Gegen 21:20 werden die Teilnehmer am Konvoi über Funk von uns begrüßt, ein paar Verhaltensregeln erneut angesprochen und der Countdown zum Start angekündigt. Dieser beginnt um 21:30 und endet um 21:35 mit der Aufnahme der Talfahrt Richtung Bonn.           Während der Konvoi-Fahrt, besonders zu Beginn, ist es unsere Aufgabe, die Länge des Schiffsverbandes mit Unterstützung der die Gruppen begleitenden Polizeiboote nicht über ein bestimmtes Maß hinaus anwachsen zu lassen, damit jeder Passagier von jedem Schiff aus die Feuerwerke möglichst komplett genießen kann – diese Aufgabe könnte man mit der eines Schafhirten vergleichen. Während der Talfahrt fahren wir mit der „WSP 1“ und einem Fahrzeug des WSA vor dem Konvoi her und bestimmen so die Geschwindigkeit. Die Polizeiboote, die den Verband rechts und links begleiten geben uns ständig Positionsmeldung ihrer Gruppe durch und sorgen innerhalb ihrer Gruppe für ausreichend Sicherheitsabstand der Schiffe untereinander und minimale Gruppenlänge. In dieser Phase (wenn alles wunschgemäß abläuft) besteht die Möglichkeit, die Feuerwerke (die leider erst nach unserem Passieren gezündet werden), die Bengalbeleuchtung der Uferbereiche und die Beleuchtung einiger Objekte wahrzunehmen. Während der gesamten Konvoi-Fahrt stehen wir per Funk mit der gemeinsamen Einsatzleitung in der Bonner Rheinaue in Kontakt, dort ist ein Beamter der WSP Bonn eingesetzt. Diesem übermitteln wir routinemäßig unsere Position und im Bedarfsfall Ereignisse während der Talfahrt.

Gegen 23:00 trifft der Schiffskonvoi im Aufstellungsraum an der Bonner Südbrücke ein und sortiert sich in die zugewiesenen Positionen für die Zeit des Abschlussfeuerwerkes ein. Dies wird von der Befehlsstelle an Bord der „WSP 1“ überwacht; wenn der Verband sich korrekt aufgestellt hat können auch wir in den Bereich einfahren, aus dem das Feuerwerk zu sehen ist.

Gegen 23:15 geben wir in Absprache mit dem Sperrboot in Bad Breisig die Talfahrt frei, wenn der Verlauf bis hierher störungsfrei ablief und zu erwarten ist, dass die talfahrenden Fahrzeuge nicht zu früh in Bonn eintreffen werden. Kurz vor Beendigung des Feuerwerkes sprechen wir die Konvoi Teilnehmer noch einmal über Funk an und erläutern die Prozedere zur Auflösung des Verbandes.  Die am Konvoi teilnehmenden Fahrgastschiffe/Hotelschiffe fahren nun entweder zu Berg oder zu Tal in Richtung ihrer Tagesziele / Ausstiegsstellen. Der größte Teil der eingesetzten Polizeiboote wird nun aus dem Einsatz entlassen, diese Boote steuern ihre Heimatdienststellen oder ihre Übernachtungsorte an. Eine große Zahl an Schiffen möchte in Bonn an die Anlegebrücken, um ihre Fahrgäste aussteigen zu lassen. Dadurch kommt es im Stadtbereich zu kleineren „Staus“ bzw. Wartezeiten, bis Anlegebrücken frei werden. Wenn sich diese Situation einigermaßen bereinigt hat, wird in Absprache mit dem WSA die Bergfahrt freigegeben, was erfahrungsgemäß so zwischen 00:30 und 01:00 stattfindet – dann kann auch das für die Sperrung der Bergfahrt bzw. deren Freigabe zuständige Polizeiboot entlassen werden. Die letzten Polizeiboote, die Feierabend machen sind die „WSP 1“ und die „WSP 5“ – wir warten, bis alle Fahrgastschiffe entladen sind um bei möglichen „Hilfeersuchen“ der Schiffsführer noch eingreifen zu können. Anschließend setzten wir uns noch auf der Dienststelle zu einer kurzen Nachbesprechung zusammen, bevor wir gegen 02:00 Uhr die Heimfahrt antreten.

BR: Puh, klingt ganz schön busy. Jetzt nur noch eine letzte Frage: Was macht der Hamster unter der Brücke?

MB: Das Sperrzeichen für die Schifffahrtssperre kann ja nicht wie auf der Straße einfach hingestellt werden, dazu benötigt man auf dem Rhein einen schwimmenden Verkehrszeichenträger. Diese Funktion wurde in der Vergangenheit auch schon mal von einem Schiff des WSA-Kölns namens „Hamster“ übernommen, auf diesem Fahrzeug wurden dann die Sperrzeichen gesetzt. Sonst wird üblicherweise ein sogenanntes „Wahrschaufloß“ im Strom verankert, welches die Sperrzeichen trägt.

FacebookTwitterXINGGoogle+Empfehlen

Ein Gedanke zu „Rhein in Flammen® hinter den Kulissen: die Wasserschutzpolizei – Konvoi-Schafhirt mit Hamster unter der Brücke

  1. Pingback: Bonner Linktipps am Mittwoch: Vom Biergarten in die Eisdiele, während der Rhein in Flammen steht | Bundesstadt.com

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Loading Facebook Comments ...