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Karneval in Bonn – Zu Gast auf der Mädchensitzung der Kleffbotze

Heute berichte ich euch von meiner ersten Mädchensitzung. Hört sich schon vom Namen her interessant an, wenn man bedenkt, dass sie an Wiever Fastelovend, also am Altweiber-Donnerstag, stattfand, wo traditionell die Frauen im Karneval die Hosen an haben. So auch gestern, da bestand der Elferrat auch nur aus Frauen. Und jetzt geht es schon los: Was ist bitteschön ein Elferrat? Die Wurzeln liegen wohl in der Französischen Revolution. „ELF“ soll von den Anfangsbuchstaben „Egalité, Liberté, Fraternité“ = „Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit“, dem Wahlspruch der Revolution Anfang des 19. Jahrhunderts kommen. Das am Ende tatsächlich elf Personen auf dem Podium sitzen, liegt wohl doch eher daran, dass die Zahl elf im Karneval eine ganz besondere Bedeutung hat, eben als närrisch gilt. Ich würde mal sagen, der Elferrat ist sowas wie die Regierung der Narrenzeit, sie leiten die Sitzungen, achten auf das Protokoll und lenken das Publikum in ihrer Ausgelassenheit.IMG_3321

Zurück zu meiner Mädchensitzung. Ich muss vorweg schicken, ich bin ein „Imi“, also ein imitierter Rheinländer, eben nicht hier geboren und folglich echt gar nicht vertraut mit der fünften Jahreszeit, wie der Karneval hier in den Jahreskalender integriert wird.

Wir waren mit einer großen Gruppe von 15 Frauen unterwegs. Und ein bisschen, muss ich auch gestehen, waren wir mit Vorurteilen im Gepäck zur Sitzung unterwegs. Was würde dort passieren? Sind die Frauen außer Rand und Band? Sind die Witze platt, vielleicht sogar so platt, dass sie mit unserem modernen Frauenbild nicht mehr übereinpassen? Wird es ein bisschen so, wie manch einer spöttisch meint: Wehe, wenn sie losgelassen werden?

Ja, es gab die ganz einfachen Witze, wenn die Handpuppe Hundi wauwau singend mit seinem in Pink gekleideten Herrchen etwas orientierungslos über die Bühne läuft und verzweifelt versucht, die Frauen mit schlüpfrigen Witzen aus der Fassung zu bringen. Klappt nicht immer, aber die rheinischen Frauen sind da ganz pragmatisch: das geht vorbei, der arme Tropf gibt auch nur sein Bestes. Und Schluss endlich haben sie auch Recht, denn die meisten auf den Bühnen sind ehrenamtliche, die das ganze Jahr über im Verein oder im Stadtteil tätig sind und jetzt versuchen die Gäste zu begeistern und ihnen eine schöne Session zu bescheren.

Aber dann kamen sie, all jene Gruppen, die keinen mehr auf den Plätzen halten. Allen voran die Rheinfunken und die Fidele Sandhasen. Mein lieber Himmel, das sah nach Hochleistungssport aus. So eine Hallendecke ist gefühlt schon ziemlich hoch, aber manch ein Tanzmädchen konnte die Decke mit den Händen berühren. Respekt für die tolle Leistung. Dazu wurde oft noch gesungen und dann war auch meine Welt wieder in Ordnung bei folgender Ankündigung: Unser nächstes Lied ist ganz international. Am Anfang ein bisschen über den Wolken mit Reinhard May und am Ende „Ich bin ene kölsche Jung“. Wunderbar, die unaufgeregte Sicht der Rheinländer auf die Welt.

Tanzcorp

Begriffe wie Gardeoffizier, Achtung: Präsentiere!, Säbel an die Schulter, Tanzcorp Einmaschieren!, haben mich den Abend über begleitet, und sie zeugen augenzwinkernd von den Einflüssen der Rheinischen Karnevalsreform 1823 im damals französisch besetzten Rheinland. Auch der Ausruf: Ma-rie-sch-e danz! hatte eine unverhoffte Wirkung. Wie aufgezogen setzte sich das Tanzmariechen einer Gruppe mit oder auch ohne ihren Gardeoffizier in Bewegung und schnellte in akrobatischen Bewegungen über die Bühne.

Bemerkenswert war die männliche „Helene Fischer “Helene Fischer“. Hat sie doch den Einzug in die Karnevalshochburgen geschafft und so scheinen sich auch Männer mit ihren Hits sicher über die Bühne zu bewegen. In jedem Fall hat es den ganzen Saal bewegt, außer Frage :-) . Und dann kam, was in der Beethovenstadt Bonn nicht fehlen durfte, auch zu Karneval nicht, Beethoven ´s 5. Sinfonie. Eingebaut in ein Cuveé verschiedener Stücke wurde schon bei der Ankündigung klar, Beethoven ist hier mehr als salonfähig und gehört selbstverständlich auch zum rheinischen Karneval.

IMG_3356Zum guten Schluss kam Agnes Kasulke, Deutschlands erste Vier-Sterne-Putzfrau, auf die Bühne. Bisher kannte ich sie nur aus dem ZDF und war sehr überrascht, sie bei den Kleefbotzen in Bonn-Friesdorf zu sehen. Und wer bis dahin noch keinen Lachmuskelkater hatte, jetzt war er wirklich jedem sicher. Hier gab es kein Halten mehr, für keinen im Saal.

Mein Fazit als „Imi“: Nutzt die Gelegenheit und besucht unbedingt den Sitzungskarneval. Er ist um ein vielfaches besser, als manchmal sein Ruf und ein Muss für jeden, der dem karnevalsfeierndem Rheinländer etwas näher kommen möchte.

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