Rheinsicht

Schlender- Weinprobe im Siebengebirge

Das letzte Wochenende gehört zu meinen persönlichen Favoriten – Wandern, Weinprobe und Kultur – Die Schlender- Weinprobe durch das Siebengebirge war geboren. Ausgerüstet mit Wanderschuhen und einem mit Baguettbrot, italienischer Salami und einer karierten Decke gepackten Rucksack sind wir gemeinsam mit Wein-Sommelier Christian Leve und dem Wanderführer Jakob Sieger ins Siebengebirge aufgebrochen. Es sollte eine Mischung aus „aktiv in der Natur“, Kultur erleben, Weinprobe und natürlich viel Spaß werden. Ich würde sagen: In allen Bereichen 100 Prozent erreicht.

Los ging es im Hotel Krone in Königswinter und unser erstes Ziel war die Talstation der Drachenfelsbahn. Zuerst haben wir natürlich die Esel begrüßt, die immer noch Gäste zum Drachenfels hoch bringen. Doch sind es jetzt die Kinder, die auf ihrem Rücken getragen werden. So, nun weiter und interessantes über die Drachenfelsbahn erfahren. Sie fährt bereits seit 1883 auf den weltberühmten Berg, den Drachenfels im Siebengebirge. Geschichte und Sagen ranken sich um ihn, ist er doch nur knapp der Zerstörung durch die Nutzung als Steinbruch für die Fertigstellung des Kölner Doms entkommen, den Preußen sei Dank. Auf einer Strecke von 1.500 m überwindet die Bahn in nur acht Minuten rund 220 Höhenmeter. Schon bei der Einfahrt der Bahn in die Talstation sind wir völlig in ihren Bann gezogen, ein Hauch von Nostalgie umfängt uns und ich kann direkt die Begeisterung der Künstler, Schriftsteller und auch der romantischen Sommerfrischler fühlen, die in den vergangenen 132 Jahren auf dieselbe Art und Weise den Berg erklommen haben wie wir es heute tun. Drachenfelsbahn

An der Mittelstation war dann allerdings wieder Aussteigen angesagt, denn ein Besuch auf Schloss Drachenburg gehörte zu einem unserer Kulturhöhepunkte auf unserer Schlenderweinprobe. Mit einer Gästeführerin betreten wir durch die Vorburg den weiträumigen Park und erhalten einen unverbauten Blick auf Schloss Drachenburg, das Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Wir staunen über die Geschichte des Schlosses und hören, dass Baron Stephan von Sarter den Grundstein zu einem repräsentativen Wohnsitz: Schloss Drachenburg, einer Mischung aus Villa, Burg und Schloss legte. Kaum zu glauben, dass Sarter dann sein Traumschloss nicht einmal bewohnte, seine Wahlheimat war Paris. Nach seinem Tod wurde das Schloss erstmals touristisch erschlossen und hat seitdem häufig den Eigentümer gewechselt. Bis schließlich der exzentrische Textilunternehmer Paul Spinat in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts das Ensemble kaufte, wieder instand setzte und es dabei manchmal auch ein bisschen skurril umgebaute. Er nutzte es dann viele Jahre für repräsentative Zwecke. Dass Spinat ein etwas sehr besonderer Mensch war, zeigt schon sein alter goldener Rolls Royce, der noch heute vor dem Schloss geparkt ist oder die Orgel, die keine ist, mit der er aber ausgiebige Konzerte gab.

Weinprobe 1Bei schönem Wetter und am Ende der Führung war die Zeit für unseren ersten Wein gekommen. Wein-Sommelier Leve schritt zur Tat, öffnete den ersten Weißwein und stellte uns den guten Tropfen ausgiebig vor. Bei italienischer Salami und Baguette lauschten wir seinen Ausführungen und genossen die herrliche Atmosphäre. Mit ausgelassener Stimmung wurde dann die Wanderung zum Drachenfels fortgesetzt. Wanderführer Sieger nahm uns wieder in Empfang und zeigte uns schnell, dass es gut war mit Wanderschuhen statt mit Flipflops hergekommen zu sein. Entlang des Eselspfades ging es nun vorbei an Gesteinsformationen an denen man noch heute deutlich ihre Entstehung aus vulkanischer Zeit erkennen kann. Interessant zu sehen, wie die Lava einst geflossen ist, wie hoch die Berge vor dem Steinabbau gewesen sind und was man so alles aus den Steinen gebaut hat. Selbst die Römer waren im Siebengebirge schon aktiv, die Spuren kann man noch heute finden.

Als zu Zeiten der Sommerfrische die Frauen und Männer mit Eseln auf den Drachenfels kamen, mussten ja die Tiere auch irgendwo warten oder verschnaufen. Die feine Gesellschaft wollte aber keine Tiere und schon gar nicht ihre Hinterlassenschaften in ihrer Nähe, also wurde ein „Esel-Parkplatz“ außer Reichweite eingerichtet. Noch heute kann man die Stahlringe in der Felswand sehen, an denen die Zügel angebunden wurden. Wir fanden alles super spannend und schnell waren wir schon auf dem Plateau und mischten uns unter die dortigen Touristen. Wir fanden genau den richtigen Platz für unseren nächsten Wein, den Dragons Cliff Riesling: In der ersten Reihe am Aussichtspunkt mit Blick auf den Rhein bis in die Eifel, klasse, wo könnte Wein eigentlich noch besser schmecken? RheinsichtEine kurzen Abstecher rauf auf die Burgruine Drachenfels wollten wir uns nicht nehmen lassen und gleich beim Aufstieg erzählte uns Jakob Sieger, dass es Ende des 19. Jahrhunderts sogar eine Eintrittskarte auf den Drachenfels gab und sie war heiß begehrt. Damals wie heute konnte man den Aufstieg auch mit einem Esel überwinden, für 10 Silbergroschen, sage und schreibe rund 50 Euro, das nenne ich mal echten Luxus. Und da es für die Damen der damaligen Zeit auf dem Esel nicht so komfortabel war, wurden auch Sänften angeboten, der Preis ist aber unbekannt. Gut, wir sind per pedes oben angekommen, schließlich ein Klacks für uns, waren wir doch schon eine Weile unterwegs und vom Wein beschwingt. Weiter ging es dann auf einem Teilstück des Rheinsteigs bis nach Bad Honnef – Rhöndorf. Der anfangs schmale Weg führte vorbei an den legendären Siegfriedfelsen, bot hinreißende Aussichten und führte schließlich bis an das Ulanendenkmal. Dieses Baudenkmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen des Ulanen-Regiments „Großherzog Friedrich von Baden“ liegt oberhalb der Honnefer Weinberge und bietet sich auch gut als Rastplatz an. Wir haben es gleich für ein Gruppenfoto genutzt, schließlich ist auch hier die Sicht auf den Rhein und Bad Honnef super. DSC01418Schon von weitem konnten wir die Giebel von Adenauers Wohnhaus sehen, heute ein Museum und unser nächstes Etappenziel sowie auch unser nächster Weinprobenstopp. Umgeben von Adenauers Rosen und alten Bäumen haben wir schließlich auf seiner Bocciabahn unseren nächsten Wein verkostet und auf die nächste Führung gewartet, die uns etwas über den Privatmann Adenauer erzählt hat und es war schon sehr interessant durch sein original erhaltenes Wohnzimmer zu gehen. Adenauer HausNach so viel Aktivität und Informationen tat uns eine Kaffee- und Kuchenpause in Adenauers Lieblingscafé „Profittlich“ am Ziepchensplatz in Röhndorf richtig gut. IMG_3799In dem rustikalen Räumen kommt man glatt in nostalgische Schwärmereien, macht es doch den Anschein, als sei der erste deutsche Kanzler erst gerade zur Tür raus. In jedem Fall war der Kuchen super lecker und die Stimmung prächtig. Weinberge

Auf dem nicht ganz direkten Weg sind wir dann wieder zurück nach Königswinter gewandert. Ein kleiner Schlenker durch die Weinberge und am Ende noch schnell auf der Drachenfelsstraßen zu Angelas Drachenkräutergärtchen, hier gibt es nämlich weit und breit die besten Gewürzsalzmischungen. SalzSo, nun hatten wir auch unser Shoppingerlebnis und konnten uns nun den wunderbaren Speisen und Getränke im Petit Lion widmen. Sehr köstlich waren wieder die Ochsenbäckchen auf Wasabipüree mit Spitzkohl, davor gab es eine köstliche Bouillabaisse und zum Dessert unglaubliche Variationen von Schoko- und Nuss-Mus und zu jedem Gang servierte uns Christian Leve den passenden Wein.DessertWein

Wir haben ein neues Produkt getestet, also schlendern und Wein trinken und dabei noch ein bisschen Kultur genießen und erleben, das war der Plan für das neue buchbare Produkt. Herausgekommen ist ein wirklich tolles, interessantes und vor allem spaßiges Programm. Buchen könnt ihr es hier.

 

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Ein Gedanke zu „Schlender- Weinprobe im Siebengebirge

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