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Vom Badeort zur Diplomatenstadt – Die Bonner Botschaftstour

Auf den Spuren der Exzellenzen am Rhein

Botschaftstouren in Bonn: Der Wandel ist so interessant, wie es der Titel verspricht. Am vergangenen Wochenende habe ich mich auf Spurensuche begeben und dabei interessante Entdeckungen bei der Bonner Botschaftstour gemacht. Bonn als Hauptstadt ist lange her, sollte man meinen, und für viele junge Bonner ist es auch ein bisschen Schnee von gestern, flimmert doch jeden Abend in der Tagesschau Berlin über die Mattscheibe. Doch es lohnt sich umso mehr auf den Spuren der Bonner Republik zu wandeln und das heutige Bonn dadurch besser kennenzulernen. Doch zunächst ein Blick zurück:

1949: Bei der Wahl zur vorläufigen Hauptstadt konnte das vom Krieg schwer beschädigte Bonn zunächst nicht allen Anforderungen gerecht werden. So bot sich das sieben Kilometer entfernte noble und nicht zerstörte Bad Godesberg mit seiner hervorragenden Lage am Rhein, vis á vis des Siebengebirges und mit einer Bausubstanz aus dem 19. Jahrhundert geradezu an. Mehr als 150 Länder waren nach und nach in Bonn vertreten und beschäftigten rund 10.000 Botschaftsangehörige. Rund zwei Drittel davon hatten ihren Sitz in Bad Godesberg. Etwa 60 Jahre sollte es dauern, bis auch die letzten Diplomaten mit ihrem Anhang an die Spree übersiedelten.

Bonner Botschaftstour

Bonner Botschaftstour

1991: Vor nunmehr 23 Jahren beschloss der Deutsche Bundestag den Regierungsumzug nach Berlin. Noch heute ist die Bonner Republik an vielen Orten der Stadt allgegenwärtig. So sind die Bonner Dienstsitze der Bundeskanzlerin und des Bundespräsidenten, das Palais Schaumburg und die Villa Hammerschmidt sowie der ehemalige Kanzlerbungalow, in dem die Kanzler von Erhard bis Kohl mit ihren Familien gewohnt haben, zu besichtigen. Doch es gibt noch viel, viel mehr zu sehen.

Heute: Nach dem Regierungsumzug 1999 stehen sie noch überall in Bonn, sie sind wie stumme Zeitzeugen, Fahnenmasten ohne Fahnen. Touristen und Imis werden sich wundern ob der Anzahl in einer einzigen Stadt und eine Frage drängt sich auf: Gibt es überhaupt irgendwo anders so viele Fahnenmasten ohne Fahne an einem Ort? Und vor allem: Warum sind sie in Bonn gefühlt an jeder Ecke? Die Antwort ist ganz einfach: Mehr als 80 Prozent der Bonner Fahnenmasten stehen heute noch im Vorgarten eines ehemaligen Diplomatenhauses, die inzwischen zum größten Teil privaten Eigentümer scheinen irgendwie auf sympathische Weise an den Masten zu hängen. Für uns ist es prima, wir erkennen die Gebäude also schon von weitem.

Gemeinsam mit einem Stadtführer machen wir uns also zu Fuß auf den Weg durch das Villenviertel in Bad Godesberg, von dort am Rheinufer entlang bis zum Rheinhotel Dreesen und dann weiter durch Rüngsdorf zurück ins Villenviertel. Das größtenteils unzerstörte Villenviertel wurde zur Heimat tausender Diplomaten, 24 Botschaften und der Sitz des Deutschen Bundespräsidenten finden wir hier auf unserem Rundgang. Die Pakistaner gehörten damals zu den ersten, die eine Dependance in der Rheinallee mieteten, eine alte Villa mit römischer Inschrift. Unweit davon entfernt baute schließlich Israel eine Botschaft mit höchsten Sicherheitsvorkehrungen. Schon damals war es umstritten, ein hochgesichertes Gebäude mitten in ein Wohngebiet zu bauen. Es kam bei hohem Besuch immer wieder zu mehrtägigen Straßensperren, das war für alle Nachbarn nicht immer einfach. Doch konnte man sich dort gewiss sein: Einbrecher hatten in der vor Sicherheit strotzenden Gegend keine Chance. 1Heute gehört die ehemalige israelische Botschaft und sieben weitere Gebäude zum Weg der Demokratie, der anschaulich die Eckpunkte der Bonner Republik verbindet.Foto 4

Nach dem sich die Welt in den siebziger Jahren von dem Provisorium Bonn verabschiedet hatte, taten es viele Länder Israel gleich und bauten neue, vermeintlich moderne aber nicht immer schöne Botschaftsgebäude. Einige davon wurden bereits abgerissen, und haben Neubauten in bevorzugter Wohnlage Platz gemacht, was sicher manchmal eine Bereicherung fürs Auge ist. Die Umwidmung dieser diplomatischen Gebäude war auch oft einfach pragmatisch, wie bei der ehemaligen griechischen Botschaft. Sie stand zehn Jahre leer und wurde dann schließlich kurzerhand vom Nachbarn gekauft. Andere Verkäufe, wie die der Botschaft von Thailand, verlangte Interessenten echte Nervenstärke ab. Hier fühlte sich der thailändische König höchst persönlich für den Verkauf verantwortlich und holte immer wieder neue Gutachten über den Wert des Gebäudes ein.

Manch ein Land möchte die Gebäude auch heute noch nicht verkaufen, so beispielsweise Südafrika. Gerüchte verbreiten immer wieder eine mögliche Umnutzung im UN nahen Umfeld, bleibt also abzuwarten, was dort geplant wird. Besonders schwierig und eine echte Herausforderung schienen bei der Gebäudeauflösung die Fälle zu sein, in denen es bei der Aufgabe das dazugehörige Land nicht mehr gab, wie Jugoslawien oder die Sowjetunion. Auch munkelte man, das ein oder andere Land hat seine Immobilie in Bonn vielleicht sogar ganz vergessen :-)

Schon Alexander von Humboldt erklärte Bad Godesberg zu den sieben Weltwundern und er schrieb: Denn Godesberg zu sehen hieß in Verzückung zu geraten. So ist es wohl auch den einen oder anderen Diplomaten der ersten Stunde gegangen. Verzückt von der Rheinromantik und den gründerzeitlichen Straßenzügen trafen sie sich im Hotel am Platz, im Rheinhotel Dreesen. Manche blieben nicht nur für Tage oder Wochen, sie residierten gar über Jahre im Rheinhotel. So wurde das Dreesen irgendwie zur Keimzelle der Diplomatenvertretungen und das war sicher mit der Ausschlag dafür, dass sich in unmittelbarer Nachbarschaft sehr viele Botschaften ansiedelten. Alleine der hohe Kommissar aus Frankreich hatte seinen Sitz drei Jahre im Hotel und ließ später seine Botschaft gegenüber auf der anderen Straßenseite bauen.5

So wurde aus dem Badeort Godesberg eine Diplomatenstadt. Heute erstrahlen die Viertel nach Eigentümerwechseln und umfangreichen Renovierungsarbeiten wieder in neuem Glanz und bieten Platz zum Wohnen und Arbeiten und erzählen Touristen wie Imis interessante Geschichten aus vergangenen Zeiten. Ich wünsche euch viel Spaß auf der Botschaftstour und dem ein oder anderen Döneken!

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